Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

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Rinzler77
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Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

Beitrag von Rinzler77 » 25.11.2019, 22:26

Guten Tag liebes CNCWerk-Forum,

ich habe vor mir eine Portalfräse aus Stahl zu bauen und möchte dafür unter anderem Hohlprofile/Vierkantrohre (S255, Kaltgewalzt) in den Abmessungen 100x100x10 und 160x80x10 in den Längen 750 und 600 mm verwenden. Ich frage mich allerdings, ob oder wie hoch denn nun Verzug auftritt, wenn ich die Rohre an jeweil zwei Seiten planfräse (mit einer konventionellen Fräsmaschine).

Mir fehlt da ein wenig der Erfahrungswert: Ich weis zwar, dass kaltgewalzter Stahl innere Spannungen besitzt und es beim Fräsen, vorallem von Platten zu Verzug kommen kann, allerdings habe ich wenig Ansatzpunkte darüber, wie es denn bei Hohlprofilen aussieht.

Meine bisherige Überlegung ging nur soweit, dass ein solches Profil ein sehr hohes Flächenträgheitsmoment besitzt und die Kräfte, welche durch die inneren Spannungen beim abnehmen von 1,5-2,5 mm freigesetzt werden zu schwach sein sollten, um das Profil/Vierkantwohr merklich zu verbiegen. Im Kontrast zu dem Verzug beim Planfräsen von Plattenmaterial/Flachstahl.

Was meint ihr? Wird der Verzug hier stark ausfallen?

Gruß

holger
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Re: Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

Beitrag von holger » 26.11.2019, 05:59

Ich würde sagen: ausprobieren! Ist ja nicht viel verloren, wenn ein Teststück danach krumm ist.

Ansonsten: Glühen lassen ist beim richtigen Anbieter auch nicht teuer. Und wenn du schweissen musst, solltest du ja eh glühen lassen und danach erst überfräsen.

Olli-CNC
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Re: Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

Beitrag von Olli-CNC » 27.11.2019, 10:07

Hallo Namenloser ;)

Hast du die Rohre schon? Warum kaltgewalzt? Ich habe auch so einiges an Stahlbauhohlprofilen für meine Portalfräse sowie den Unterbau benutzt, aber ich habe von vorne herein auf warmgewalztes Material gesetzt um gerade die Probleme eines möglichen Verzugs so niedrig wie nur irgendwie möglich zu halten.


Gruß
Olli

Rinzler77
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Re: Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

Beitrag von Rinzler77 » 28.11.2019, 17:58

Erstmal vielen Dank für eure Antworten!
Olli-CNC hat geschrieben:
27.11.2019, 10:07
Hast du die Rohre schon? Warum kaltgewalzt? Ich habe auch so einiges an Stahlbauhohlprofilen für meine Portalfräse sowie den Unterbau benutzt, aber ich habe von vorne herein auf warmgewalztes Material gesetzt um gerade die Probleme eines möglichen Verzugs so niedrig wie nur irgendwie möglich zu halten.
Die Rohre habe ich noch nicht gekauft. Hatte mich aber darauf einegstellt kaltgefertigt zu verwenden, da ich bisher keinen Händler für warmgefertigte Hohlprofile gefunden habe, der auch an Privat liefert. Bzw. bei ein paar sind die Anfragen noch unbeantwortet.

Wo hast du dein Material denn damals Gekauft?

Gruß
Chris

jannik
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Re: Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

Beitrag von jannik » 28.11.2019, 20:33

Ich habs damals auch mit warmen Material geschweißt, dann geglüht, sandgestrahlt und zum Schluss planfräsen lassen.
Hatte 120x120x10 Profile. Gabs damals günstig bei Ebay als 6m Stange für 70 Euro. Bin ich sofort hin, vor Ort geflext und dann verladen.

Das funktioniert auf jeden Fall..
Das Glühen war auch nur aus Angst. Mag sein dass es ohne geht. Ich musste das Planfräsen bezahlen und eine ggf. doppelte Bearbeitung (Preis x 2) wollte ich dadurch ausschließen.

Stud54
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Re: Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

Beitrag von Stud54 » 28.11.2019, 21:04

Glaub mir...das Glühen war gut. Denn deine Kiste wird auch noch in 5 Jahren so da stehen, wie jetzt.

Ungeglüht kann sich die Maschine mal locker verziehen...mit der Zeit.

Olli-CNC
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Re: Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

Beitrag von Olli-CNC » 29.11.2019, 08:57

Rinzler77 hat geschrieben:
28.11.2019, 17:58

Wo hast du dein Material denn damals Gekauft?

Gruß
Chris
Ich habe das Material bei der Firma Carl Pohle GmbH & Co. KG (Mönchengladbach) über meinen Arbeitgeber gekauft (Rabatt), aber ich meine die verkaufen auch an privat. Nur die Frage ob die Entfernung nicht zu groß für dich ist.


Gruß
Olli

Rinzler77
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Re: Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

Beitrag von Rinzler77 » 01.12.2019, 19:04

Ich habe jetzt doch eine Firma gefunden, die an Privat liefert und warmgefertigtes Material anbietet. Sogar in meiner nahen Umgebung (Aachen), die ich vorher irgendwie übersehen haben muss. Passender weise wird spannungsarm glühen ebenfalls angeboten. Da die Hohlprofile nicht geschweißt, sondern mit Schrauben befestigt werden (nach dem Planfräsen), passt es also auch diese direkt nach dem Zuschnitt zu glühen.

Ich denke mein Problem hat sich damit erledigt, vielen Dank aber für eure Mithilfe! :dh

jannik
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Re: Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

Beitrag von jannik » 01.12.2019, 20:19

Wenn der Zuschnitt (kalt) gesägt wird und rein garnix geschweißt wird würde ich mir das Glühen sparen.
Sonst müsstest du ja auch nach dem Planfräsen nochmal Glühen?! :)

Glühen kostet ja auch etwas. Zumindest habe ich damals 1,50 Euro pro Kg gezahlt. Da kommt einiges zusammen.

Rinzler77
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Re: Verzug beim Planfräsen von Hohlprofilen

Beitrag von Rinzler77 » 02.12.2019, 15:47

Also ich lasse die Rohre spannungsarm glühen (bis 650°), damit möglichst viele Spannungen, die bei der Fertigung der Rohre entstanden sind, abgebaut werden und beim Planfräsen möglichst wenig Verzug auftritt. Zudem sind die Rohre von vornherein warmgefertigt, weshalb die Spannungen ja schon ohnehinn gering ausfallen sollten.
Da ich wiegesagt nichts schweiße, werden auch keine weiteren thermischen Spannungen erzeugt werden und Planfräsen werde ich auf einer konventionellen Fräse durchführen und darauf achten, dass die Wärmeentwicklung nicht zu hoch wird.
Daher lasse ich sie lieber vorher spannungsarm glühen und hab nach dem Fräsen keinen bzw. nur geringen Verzug. Als das ich die Rohre planfräse, glühe, und dann nochmal Fräsen muss um den Verzug zu kompensieren, der beim ersten Fräsdurchgang aufgrund von inneren Spannungen aufgetreten ist.

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