Es geht auch Stahl zu bearbeiten

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PiccoLas
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Es geht auch Stahl zu bearbeiten

Beitrag von PiccoLas » 25.10.2017, 11:07

Hallo,

auch wenn ich die letzten Monate nichts mehr gepostet hatte, ich hatte doch immer noch fleissig mitgelesen. Danke an alle.

So, heute nun was kurzes von mir: AlexOC hatte ja seinen Neubau in Stahl ausführlich beschrieben, und die Videos dazu bei Youtube gepostet. Er hatte Stahl mit einem Holex Fräser erfolgreich klein bekommen.

Nun, ich wollte es einfach mal wissen was die Karla so schafft. Via ebay hatte ich mir auch ein paar von den Fräsern besorgt die Alex in dem Video genannt hatte. Holex Typ 203044. Ich habe da jetzt ein paar 6, 4 und 3 mm Fräser von.

Normaler Baustahl geht ohne Probleme, die Fräser gehen da durch wie durch Butter. Aber nicht klassisch, sondern mit dem Wirbelfräsen (so heißt es unter EstlCAM). Wirbelzustellung 5% des Fräserdurchmessers, 30-50% Wirbelbreite. Das funktioniert absolut stressfrei.

Aber ich wollte es wirklich wissen. Deshalb kam die Frage auf nach Grundbacken für einen Satz weicher Spannbacken für eine alte Drehmaschine, bzw. mit einem etwas ungewöhnlichen Spannfutter (wir haben im Zuberhörhandel keine direkt passenden Backen gefunden, ok, anderes Problem). Deshalb der Versuch die neu zu basteln. Inspiration war dieses Video: https://www.youtube.com/watch?v=UiXahKzGimQ

Nur die Backen die wir brauchen sind deutlich größer wie in dem Video. Maximaler Fräserdurchmesser 3 mm, weil man muss ja durch die Zähne irgendwie durch, Tiefe 5,5 mm. Zahnabstand bzw. die Lücke zw. zwei Zähnen 4mm, Die Backe wird 22 breit, 90 mm lang und ca. 40 mm hoch.

Resultat gestern, die 3. von 3 Backen:
WhatsApp Image 2017-10-24 at 19.23.07.jpeg
WhatsApp Image 2017-10-24 at 19.27.55.jpeg
Und ja, es hat geklappt :dh . Bei der ersten Backe war ich evtl. noch zu zaghaft, nur 2% Wirbelzustellung, Alex hat mir dann geraten mehr Zustellung zu geben. Das lief a) deutlich schneller und b) viel, viel ruhiger. Vielen Dank.

Zum Material: Die Backen sind aus 42CrMo4+QT (Lieferzustand), das habe ich im Ofen weichgeglüht. Die seitlichen Führungsnuten damit die Backen auch wirklich in das Futter passen machen wir später auf einer Deckel-Fräsmschine. Nur die Zähne habe ich auf der Karla gemacht. Hier bot sich die CNC-Maschine wegen diesen krummen Zähnen geradezu an. Für mich ein Testlauf bei dem sogar was sinnvolles bei rauskam :) .

Frage: Weiß jemand welche Zugfestigkeit das Zeug in diesem Zustand eigtl. nun hat? Vorher 5 Stunden bei 720 °C im Ofen geglüht und dann ganz langsam auf Raumtemperatur abkühlen lassen. Läßt sich gut sägen und auch fräsen ( :-) ).

Gruß an alle
Rainer

PS: auf dem einen Photo in der Tüte: das sind die beiden anderen Backen in Öl eingelegt, das Zeugs rostet doch schneller als ich gedacht hatte, im Hintergrund noch ein paar Holzplatten zum abfangen der Späne. Das gab echt fiese kleine Späne, die aber in allen Farben des Regenbogens, auf einer Seite Messing-Gelb, auf der anderen Seite blau. Das Bauteil bliebt trotz Funkenflug absolut kühl, das wurde nur unmerklich leicht warm.

themrdomi
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Re: Es geht auch Stahl zu bearbeiten

Beitrag von themrdomi » 25.10.2017, 22:28

Hallo,
sieht gut aus!
Alex hat mir dann geraten mehr Zustellung zu geben. Das lief a) deutlich schneller und b) viel, viel ruhiger. Vielen Dank.
Ja, manchmal hat man bei höherer Belastung bessere Ergebnisse. Etwas paradox, ging mir aber auch schon so.

Gruß,
Dominik

zzrzzr
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Re: Es geht auch Stahl zu bearbeiten

Beitrag von zzrzzr » 04.01.2018, 01:53

Hi,

Also beim Weichglühen werden die lamellar im Perlit enthaltenen Zementitplatten und die bei übereutektoiden Stählen enthaltenen Zementitausscheidungen an den Korngrenzen kugelig geglüht.

Z.B. Beim C80 wird die Zugfestigkeit halbiert...


normalgeglüht: Zugfestigkeit : 1050 MPA; Re: 600
Weichgeglüht: Zugfestigkeit : 550 MPA; Re: 280

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Christian Knüll
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Re: Es geht auch Stahl zu bearbeiten

Beitrag von Christian Knüll » 04.01.2018, 10:02

Hallo,
themrdomi hat geschrieben:
25.10.2017, 22:28
Ja, manchmal hat man bei höherer Belastung bessere Ergebnisse. Etwas paradox, ging mir aber auch schon so.
  • Fräser zur Stahlbearbeitung sind verglichen mit solchen für Alu oder Kunststoff absichtlich ziemlich "stumpf" - teilweise sogar mit einem kleinen Radius verrundet ähnlich wie bei Wendeschneidplatten für harte Werkstoffe bei denen man das ganz gut sieht (das ergibt stabilere und langlebigere Schneiden - eine stark exponierte, scharfe Spitze würde in Stahl nicht lange überleben)
  • Ist der Vorschub je Schneide geringer als dieser Radius schneidet der Fräser nicht richtig, sondern schiebt und drückt das Material vor sich her.
    Das ist generell nicht schön, bei manchen stark zur Kaltverfestigung neigenden Werkstoffen sogar katastrophal, da der Werkstoff dadurch lokal extrem hart wird.
  • Erst wenn der Vorschub je Zahn deutlich größer als der Radius der Schneide kommt ein sauberer Span raus.
  • Man kann es einerseits hören und an der Form der Späne erkennen. Wenn beim Fräsen matte, runzlige oder stark verformte Brösel rauskommen ist etwas faul. Beim Wirbelfräsen sollten die Späne die Form feiner, glänzender, kaum verformter Nadeln haben.
    Oder einfach mit Vorschub und Drehzahl spielen - je leiser und vibrationsärmer, desto besser.

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